Der Bildungsmonitor 2016 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Nordrhein-Westfalen Platz 14

  • Gesamtranking (Bestand)

    NRW auf Rang 14 im Bildungsvergleich der Bundesländer

    Stärken bei Zeiteffizienz, Verbesserungsbedarf bei Betreuungsbedingungen

    Berlin – Nordrhein-Westfalen belegt Rang 14 im Vergleich der Bildungssysteme der deutschen Bundesländer. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2016 hervor. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von 12 Handlungsfeldern, die insgesamt 93 Indikatoren umfassen, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse Bildungsmonitor 2016

    Nordrhein-Westfalen weist in den Handlungsfeldern Zeiteffizienz und Internationalisierung Stärken auf:

    • Wenige Schüler werden verspätet eingeschult, wenige wiederholen eine Klasse und weniger Ausbildungsverträge als im Bundesdurchschnitt werden vorzeitig aufgelöst.
    • Überdurchschnittlich viele Schüler werden in Fremdsprachen unterrichtet.

    Verbesserungspotenzial besteht in Nordrhein-Westfalen außer bei der Schulqualität vor allem bei der Bildungsarmut, den Betreuungsbedingungen und der beruflichen Bildung:

    • Der Anteil der Schüler mit zu geringen Kompetenzen ist vergleichsweise hoch; die Berufsvorbereitung absolviert ein geringerer Anteil mit Erfolg als in anderen Ländern.
    • Statistisch betrachtet kommen auf 1 Lehrkraft an Schulen und Hochschulen überdurchschnittlich viele Schüler und Studierende.
    • Der Anteil der Absolventen mit erfolgreichem Abschluss an beruflichen Vollzeitschulen ist der bundesweit geringste.

    Exkurs: Sonderstudie Flüchtlinge

    Neben den 12 Handlungsfeldern untersucht der Bildungsmonitor 2016 in einer Sonderstudie zusätzlich erstmals die Herausforderung der Flüchtlingsmigration für die Bildungspolitik der Bundesländer. Bundesweit sind nach Berechnungen des IW für den zu erwartenden Bestand an Geflüchteten für das Jahr 2017 zusätzliche öffentliche Bildungsausgaben in Höhe von rund 3,5 Mrd. Euro notwendig – der entsprechende Anteil für Nordrhein-Westfalen beläuft sich auf rund 729 Mio. Euro. Vor allem zusätzliche Lehrkräfte an Schulen sowie Kapazitäten in der Ausbildungsvorbereitung werden benötigt. Positiv zu bewerten sind die vielen Initiativen, die den Übergang in eine Ausbildung und Beschäftigung fördern – zum Beispiel das Projekt „Berufliche Integration von Flüchtlingen“ mit ergänzender Sprachförderung.

    Aus bildungspolitischer Sicht bietet die beschlossene Wohnsitzauflage für Flüchtlinge die Perspektive, ein besseres Matching zwischen Bildungschancen und Wohnort zu erreichen. So leben pro 10.000 Einwohner bisher in den Städten Gelsenkirchen, Bochum und Herne vergleichsweise viele arbeitssuchende Flüchtlinge, während in den Städten Leverkusen und Bonn sowie im Landkreis Soest Stand September 2015 gemessen an der Bevölkerung viele Ausbildungsstellen unbesetzt sind.

    Stärken in bildungspolitischen Handlungsfeldern in NRW

    Zeiteffizienz (BM 2015: 4. Platz): In NRW wurden im Jahr 2014 nur 1,8 Prozent der Grundschüler verspätet eingeschult (Bundesdurchschnitt: 6,9 Prozent). Die Zeitverluste durch Klassenwiederholungen entsprachen dem Bundesdurchschnitt. Gemessen an der Anzahl der Neuverträge lösten im Jahr 2014 mit 26,5 Prozent weniger Jugendliche als im Bundesdurchschnitt vorzeitig ihren Ausbildungsvertrag auf (Bundesdurchschnitt: 27,7 Prozent).

    Internationalisierung (BM 2016: 6. Platz): In NRW wurden im Jahr 2014 mit einem Anteil von 81,1 Prozent überdurchschnittlich viele Grundschüler in Fremdsprachen unterrichtet (Bundesdurchschnitt: 67,5 Prozent). Der Anteil der Berufsschüler mit Fremdsprachenunterricht fiel dagegen unterdurchschnittlich aus. Nordrhein-Westfalen erreichte hier einen Wert von 26,7 Prozent, während der Bundesdurchschnitt 32,8 Prozent betrug. Gleichzeitig wiesen die Schüler in NRW durchschnittliche Kompetenzen im Hörverständnis und Lesen der englischen Sprache auf.

    Potenziale in bildungspolitischen Handlungsfeldern in Nordrhein-Westfalen

    Bildungsarmut (BM 2016: 13. Platz): Im Bereich der Bildungsarmut schneiden nur die Stadtstaaten schlechter als NRW ab. Bei der Überprüfung der Bildungsstandards in Mathematik im Jahr 2012 verfehlten 30,6 Prozent der Schüler in NRW die KMK-Mindeststandards für einen mittleren Abschluss. Nur in Bremen und Berlin war der Anteil an Risikoschülern noch höher. Der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss lag in NRW mit 5,5 Prozent genau auf Höhe des Durchschnittswerts aller Bundesländer. Deutlich unterdurchschnittlich schnitt NRW beim Anteil erfolgreicher Absolventen aus dem Berufsvorbereitungsjahr ab. NRW erreichte hier nur einen Wert von 39,1 Prozent, während der Bundesdurchschnitt 56,7 Prozent betrug.

    Betreuungsbedingungen (BM 2016: 16. Platz): Die Betreuungsrelationen in Schule und Hochschule in NRW sind seit Jahren im Bundesvergleich sehr ungünstig. Im Jahr 2014 bestanden an den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I (ohne Gymnasien), an den Teilzeit-Berufsschulen und an den Universitäten die schlechtesten Betreuungsrelationen in Deutschland. Allerdings konnten in den letzten Jahren deutliche Verbesserungen erzielt werden. So hat sich beispielsweise zwischen den Jahren 2005 und 2014 die Schüler-Lehrer-Relation an den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I von 17,4 auf 14,7 verbessert (Bundesdurchschnitt: 13,6). Das ungünstigste zahlenmäßige Verhältnis existiert auch weiterhin an den Hochschulen. Auf 1 Lehrkraft (Professor, Dozent, Lehrbeauftragter) kamen im Jahr 2014 rechnerisch 25,5 Studierende (Bundesdurchschnitt: 17,1). 9 Jahre zuvor waren es allerdings noch 29,5.

    Berufliche Bildung (BM 2016: 16. Platz): Die schlechte Platzierung NRWs liegt vor allem an den beruflichen Vollzeitschulen. Der Anteil erfolgreicher Absolventen an allen Abgängern von Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen betrug im Jahr 2014 nur 64,3 Prozent. Damit bildet NRW bei diesem Indikator in Deutschland das Schlusslicht (Bundesdurchschnitt: 79,6 Prozent). Auch bei der Anzahl der Fortbildungsprüfungen gemessen an der Bevölkerung im Alter zwischen 25 und 40 Jahren liegt NRW im Jahr 2014 mit 5,1 Prüfungen pro 1.000 Personen unter dem Bundesdurchschnitt von 6,2. Im Jahr 2015 standen in NRW rechnerisch für 62,0 Prozent der Bevölkerung im entsprechenden Alter betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung. Obwohl NRW eine überdurchschnittliche Ausbildungs- und Ausbildungsbetriebsquote aufweist, lag diese Quote unterhalb des Bundesdurchschnitts von 66,1 Prozent, ist aber in den letzten Jahren deutlich gestiegen (NRW 2003: 54,9 Prozent). Auch bei der Quote an unversorgten Bewerbern schneidet NRW ungünstiger ab als der Bundesdurchschnitt. Die entsprechende Quote beträgt in NRW 12,1 Prozent und im Bundesdurchschnitt 9,8 Prozent. Die Erfolgsquoten in der dualen Ausbildung sind durchschnittlich (NRW: 89,2 Prozent; Bundesdurchschnitt: 90,1 Prozent).

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Nordrhein-Westfalen. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Nordrhein-Westfalen im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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