Der Bildungsmonitor 2017 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Nordrhein-Westfalen Platz 14

  • Gesamtranking (Bestand)

    NRW liegt auf Rang 14 im Bildungsvergleich der Bundesländer…

    … und muss vor allem seine Betreuungsbedingungen weiter verbessern

    Berlin – Nordrhein-Westfalen belegt im Bildungsmonitor 2017 Rang 14 der 16 Bundesländer. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von 12 Handlungsfeldern, die insgesamt 93 Indikatoren umfassen, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse Bildungsmonitor 2017

    Nordrhein-Westfalen weist in den Handlungsfeldern Zeiteffizienz, Internationalisierung und Hochschule/MINT Stärken auf:

    • Wenige Schüler werden verspätet eingeschult, wenige wiederholen eine Klasse und weniger Ausbildungsverträge als im Bundesschnitt werden vorzeitig aufgelöst.
    • Überdurchschnittlich viele Schüler erhalten Fremdsprachenunterricht. An den Gymnasien werden überdurchschnittliche Kompetenzen in Englisch erreicht.
    • In Relation zur Zahl der Forscher werden viele Studenten in MINT-Fächern unterrichtet.

    Verbesserungspotenzial besteht in Nordrhein-Westfalen neben der Bildungsarmut und Schulqualität vor allem bei den Betreuungsbedingungen und bei der beruflichen Bildung:

    • Statistisch betrachtet kommen auf eine Lehrkraft an Schulen und Hochschulen überdurchschnittlich viele Schüler und Studierende.
    • Der Anteil der Absolventen mit erfolgreichem Abschluss an beruflichen Vollzeitschulen ist der bundesweit geringste.

    Exkurs: Bildungsagenda

    Der Bildungsmonitor 2017 zeigt, dass die Herausforderungen für das Bildungssystem durch Integration, Digitalisierung und demografischen Wandel größer geworden sind. Bundesweit fallen die Fortschritte im Bildungsmonitor jedoch immer kleiner aus, teilweise macht das Bildungssystem sogar Rückschritte. Deshalb hat das IW Köln für den Bildungsmonitor 2017 eine Reformagenda entwickelt, die einen Mehrbedarf an Bildungsausgaben von 12 Milliarden Euro jährlich aufdeckt. Dieses Geld ist zielgerichtet in jenen Bereichen einzusetzen, die für die Integration der Zuwanderer sowie für die Gestaltung der Digitalisierung und des demografischen Wandels besonders wichtig sind. Konkret bedeutet dies für ganz Deutschland zusätzliche jährliche Bildungsausgaben von:

    • 3,5 Milliarden Euro für Integration,
    • 5,0 Milliarden Euro für mehr Qualität und Plätze in der frühkindlichen Bildung,
    • 2,7 Milliarden Euro für Ganztagsschulen und
    • 0,8 Milliarden Euro für Studierende aus dem Ausland an deutschen Hochschulen.

    Das Augenmerk sollte dabei nicht auf Strukturdebatten gerichtet sein, sondern auf Maßnahmen, die die Bildungsqualität der Schulen stärken. Es gilt, die Kräfte auf die Umsetzung der Digitalisierung durch Lehrkonzepte und Lehrerfortbildung sowie auf eine besseren Berufs- und Studienorientierung zu konzentrieren. Untersuchungen zeigen, dass sich gezielt eingesetzte zusätzliche Bildungsausgaben volkswirtschaftlich langfristig auszahlen.

    Stärken in bildungspolitischen Handlungsfeldern in Nordrhein-Westfalen:

    Zeiteffizienz (BM 2017: 5. Platz): In NRW wurden im Jahr 2015 nur 1,1 Prozent der Grundschüler verspätet eingeschult (Bundesdurchschnitt: 7,5 Prozent). Die Zeitverluste durch Klassenwiederholungen fielen in NRW ebenfalls geringer aus als im Bundesdurchschnitt. Gemessen an der Anzahl der Neuverträge lösten im Jahr 2015 mit 26,5 Prozent weniger Jugendliche als im Bundesdurchschnitt vorzeitig ihren Ausbildungsvertrag auf (Bundesdurchschnitt: 27,5 Prozent).

    Internationalisierung (BM 2017: 6. Platz): In NRW wurden 2015 mit einem Anteil von 81 Prozent überdurchschnittlich viele Grundschüler in Fremdsprachen unterrichtet (Bundesdurchschnitt: 67,1 Prozent). Der Anteil der Berufsschüler mit Fremdsprachenunterricht fiel dagegen unterdurchschnittlich aus. Nordrhein-Westfalen erreichte hier einen Wert von 28,4 Prozent, während der Bundesdurchschnitt 33,7 Prozent betrug. Gleichzeitig wiesen die Schüler in NRW insgesamt durchschnittliche Kompetenzen im Hören und Lesen der englischen Sprache auf, die Schüler an Gymnasien erzielten hier überdurchschnittliche Kompetenzen.

    Hochschule und MINT (BM 2017: 6. Platz): Im Jahr 2015 kamen mehr Studienanfänger nach NRW, als aus dem Land abwanderten. NRW zieht also Studienanfänger aus anderen Bundesländern an. Daher war der Anteil der Studienabsolventen an der akademischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Jahr 2015 überdurchschnittlich. Die Akademikerersatzquote betrug 5,3 Prozent (Bundesdurchschnitt: 5,1 Prozent). Der Anteil der Absolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums an allen Absolventen betrug 17,7 Prozent und lag damit unter dem Bundesdurchschnitt von 20,5 Prozent. In Relation zu seinen sozialversicherungspflichtigen Ingenieuren hatte NRW jedoch relativ viele Ingenieurabsolventen. Außerdem wurden gemessen an der Zahl der Forscher viele Studenten in MINT-Fächern unterrichtet (NRW: 22,7 Prozent; Bundesdurchschnitt: 18,8 Prozent).

    Potenziale in bildungspolitischen Handlungsfeldern in Nordrhein-Westfalen:

    Berufliche Bildung (BM 2017: 16. Platz): Die schlechte Platzierung NRWs liegt vor allem an den beruflichen Vollzeitschulen. Der Anteil erfolgreicher Absolventen an allen Abgängern von Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen betrug im Jahr 2015 nur 63,7 Prozent und war damit so niedrig wie in keinem anderen Bundesland (Bundesdurchschnitt: 80,5 Prozent). Auch in Sachen Fortbildung lag NRW 2015 mit 4,9 Prüfungen je 1.000 25- bis 40-Jährigen unter dem Bundesdurchschnitt von 6,0. Zudem standen im Jahr 2016 rechnerisch für 60,1 Prozent der Bevölkerung im entsprechenden Alter betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung. Obwohl NRW eine überdurchschnittliche Ausbildungs- und Ausbildungsbetriebsquote aufweist, lag diese Quote unterhalb des Bundesdurchschnitts von 64,2 Prozent, ist aber in den letzten Jahren zumindest gestiegen (NRW 2003: 54,9 Prozent).

    Betreuungsbedingungen (BM 2017: 16. Platz): Im Jahr 2015 hatten die Grundschulen, die allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I (ohne Gymnasien), die Teilzeit-Berufsschulen und die Hochschulen in NRW die schlechtesten Betreuungsrelationen aller Bundesländer. Allerdings hat das bevölkerungsreichste Bundesland in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erzielt. So hat sich beispielsweise die Schüler-Lehrer-Relation an den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I von 17,4 im Jahr 2005 auf 14,6 im Jahr 2015 verbessert (Bundesdurchschnitt: 13,5). Die ungünstigste Relation haben auch weiterhin die Hochschulen. Auf eine Lehrkraft (Professor, Dozent, Lehrbeauftragter) kamen im Jahr 2015 rechnerisch 26 Studierende (Bundesdurchschnitt: 17,4). Neun Jahre zuvor waren es allerdings noch 29,5.

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Nordrhein-Westfalen. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Nordrhein-Westfalen im Bildungsmonitor 2011 der INSM
    Download Factsheet

  • Legende

    besser

    schlechter